story telling – Der Wahn um die Schönheit

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„Womit soll ich den Anfang machen, wie Die Worte klüglich stellen, daß sie euch Das Herz ergreifen, aber nicht verletzen!“ Schiller eignet sich doch perfekt für den Anfang eines Blogpost. Ein wahrer Klassiker. Der Titel meines heutigen Beitrags mag ein, wie sagt man so schön, ein „ausglutschtes Thema“ sein, aber dennoch beschäftigt es mich. Seitdem wir beide diesen Blog führen, lese ich viel öfter andere Blogs, folge Blogger/innen auf Instagram und Snapchat oder verfolge deren Facebook-Seiten. Inspiration ist immer wichtig, und wenn man selbst einen Blog hat, ist es interessant zu erfahren, wie andere Bloggerinnen Themen umsetzen oder interpretieren. Jene, die mich gut kennen, wissen, dass ich besonders zwei Blogs (leonierachel und dariadaria) sehr gerne lese, weil sie gut geschrieben sind und authentisch wirken, sie über verschiedenste Themen sprechen, die sie wirklich interessieren, und nicht bloß über etwas schreiben, nur weil es gerade im Trend.

Aber nun direkt ohne weitere Überleitung zum heutigen Thema: was mich vermehrt nervt, ist der Wahn um die Schönheit. Es sind merkwürdige Vorstellungen eines perfekten Menschen, die uns vorgebetet werden und sich als Ideale in unsere Köpfe schummeln. Es gibt ein vorgegebenes Idealbild im jeweiligen Kulturkreis, dem sich alle anpassen sollten, dem alle entsprechen sollen. Die Erwartungen an den perfekten Menschen, die wir nie erfüllen können (und das ist auch gut so), werden schon ganz früh in unseren Köpfen geformt und erst jetzt begreife ich auch, wie ich mich schon damals dagegen aufgelehnt habe. Viele trugen Jeans, ich trug Stoffhosen mit Nemo-Amplem. Viele liebten hübsche süße Kleidchen, ich liebte beige Jack-Wolfskin Hosen, die man auch schnell in kurze Hosen (aufgrund des integrierten Zippers) verwandeln konnte, viele kämmten ihren Barbies die Haare, ich und meine Schwestern kämmten ihre Haare, um ihnen dann eine schrille Kurzhaarfrisur zu verpassen. Später interessierten sich viele für Make-Up, ich wusste nicht mal was eine Mascara war.

Ich will mich aber hier nicht als einzige und besondere Ausnahme herausnehmen und hervorbringen. Ich bin mir sicher, dass es vielen ähnlich ging. Ich möchte mir auch nicht anmaßen zu behaupten, dass „viele“ dies und jenes nur machten, um einem Ideal näherzukommen. Vielleicht weil es sich so gehört oder vielleicht einfach nur weil es ihnen gefällt.

Seit damals hat sich natürlich auch einiges bei mir geändert und die aufgezählten Dinge entsprechen nicht mehr meinem jetzigen Ich. Das Nicht-Entsprechen-Wollen findet für mich nun anders statt. Doch auch ich muss mir eingestehen, dass sosehr ich dem entkommen mag, oder mich dem entgegensetzten will, realisiere ich, dass ich ewig ein Teil dieser Welt sein werde. Das Entkommen ist unmöglich, doch vielleicht wird es mir immer besser gelingen das Verwurzeln mit den traditionellen und veralteten Mustern aufzuhalten.

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Vor etwa drei Jahren, als ich noch zur Schule ging, bekamen wir die Aufgabe eine Rede zu einem frei gewählten Thema für den Deutschunterricht zu verfassen. Der Titel meiner Rede ist „Macht“, denn Macht spielt auch immer eine große Rolle bei der Aufrechterhaltung der idealen und vermeintlichen Schönheit. Nun möchte ich eben besagte (unveränderte) Rede mit euch teilen (leider nicht gegendert).

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Macht 

Wie definieren wir Schönheit? Wo treffen wir Schönheit an? Wann erfahren wir Schönheit? Warum ist Schönheit so wichtig? Oder wer darf über Schönheit richten und entscheiden was Schönheit ist?

Schönheit hat die Macht!

„Wen das Auge nicht überzeugen kann, überredet auch der Mund nicht,“ sprach schon einst der berühmte österreichische Dichter Franz Grillparzer. Daraus lässt sich nur schließen, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sich jene Person verbal gut ausdrücken kann und vor Intellekt nur so sprudelt, wenn sie visuell nicht ansprechend ist. Würdet Ihr jenes Zitat auch so deuten, wie ich es tue? Oder eine weitaus wichtigere Frage: Schließt Ihr euch dieser Meinung an?

Schönheit hat die Macht!

Werfen wir nun gemeinsam einen Blick auf die internationalen Laufstege der Modewelt! Ist es schön, wenn die Beckenknochen der Models einem quasi entgegen springen? Ist es schön in die eingefallen Gesichter zu blicken? Ist es schön, keinen Unterschied zwischen Ober- und Unterschenkel zu erkennen? Oder ist es etwa schön, wenn die Augen beinahe aus den Höhlen hervorquellen? Diese schrecklich schauderhaften Beschreibungen würde ich eher einen neuen Horror-Streifen von Stephan King zu ordnen, als diese Figuren auf die Modewelt loslassen, wie es große Modeschöpfer tun.

Schönheit hat die Macht!

Diese Menschen nehmen jedoch durch ihre „Schönheit“, die manche von uns nicht erkennen, eine Vorbildstellung in unseren Kreisen ein. Häufig und immer öfter vernehmen wir Worte wie: „Wäre ich doch genau so schön schlank wie Heidi Klum, wäre ich doch so schön wie Megan Fox, hätte ich doch nur so einen schönen Körper wie Ryan Gosling oder würde ich nur so schön glitzern wie Edward Cullen.

Wir Menschen beschränken uns stets auf die oberflächliche Schönheit, doch die wahre, die einzig wahre Schönheit liegt im Verborgenen, man muss sich jedoch erst die Mühe machen sie entdecken zu wollen und bereit dafür sein sie auch zu finden. Wie sonst hätte es die schöne Belle in dem Disneystreifen geschafft, ein Biest zu lieben. Jemand sagte einst: „Nicht die Schönheit entscheidet wen wir lieben, sondern die Liebe entscheidet wen wir schön finden.“

Schönheit hat die Macht!

Warum ist unsere Gesellschaft so wie sie ist? Jeder lästert über jeden. Ich weiß nicht ob ich einer Aussage wie „Ich habe noch niemals über jemanden schlecht hinter dessen Rücken geredet,“ glauben schenken darf. Selbst ich bin kein Moralapostel und ich bin mir nicht ganz sicher ob ihr das über euch behaupten könnt. Man macht sich über Leute lustig nur weil sie anders aussehen, anders sind und hinterfragt nicht deren eigentliche Geschichte. Sie könnten die liebsten Menschen auf Erden sein. Doch wir werden geblendet, geblendet durch unsere Dummheit und die Tatsache, dass jene Person nicht in unser persönliches Blickfeld zu passen scheint.

Der Glöckner von Notre Dame, Victor Hugos tragische Figur in dem gleichnamigen Buch wurde anfangs schikaniert und gedemütigt, als die Menschen dann endlich bereit waren ihre Herzen zu öffnen und den wahren Werten Beachtung schenkten.

Schönheit hat die Macht!

Vorurteile sind schnell gemacht, sie spinnen ihre Fäden ganz schnell in unseren Verstand hinein und lassen uns voreingenommen werden: Doch ist dies die richtige Einstellung, frage ich Euch.

Schönheit in all ihren Facetten und Reichtum hat etwas Furchtbares und Geheimnisvolles zu gleich. Gut und Böse, Engel und Dämon, Gott und Teufel ringen auf einem Kampfplatz in Form des menschlichen Herzens.

Schönheit hat die Macht!

Doch geben wir der inneren Schönheit die Macht.

 

Der Großteil daran gefällt mir, deshalb habe ich diese kleine Rede auch in den heutigen Beitrag eingebaut, aber manche Formulierungen würde ich nun nicht mehr so treffen. Besonders die Oppositionen von Gut und Böse, Engel und Dämon, Gott und Teufel. Der binäre Aufbau und diese religiösen Bezugnahmen missfallen mir nun.

Alles Liebe,
Katharina

 

 

alle Bilder aus diesem Beitrag findet ihr auf unserer Weheartit-Seite
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