story telling – Ein Geburtstag, meine Gürtelrose und ich

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Nächste Woche feiere ich meinen 22. Geburtstag. „Feiern“ stimmt in dem Kontext wahrscheinlich nicht so ganz, denn seit letzte Woche Donnerstag steht eins fest: Ich habe Gürtelrose (medizinisch Herpes zoster). Ich dachte Gürtelrose ist eine Viruserkrankung von alten Menschen und befindet sich um den Bauch herum und ist mit enormen Schmerzen verbunden. Ich blieb von diesen enormen Schmerzen verschont und meine Gürtelrose suchte sich einen anderen Ort um auszubrechen: meine Stirn.

Meine Ärztin verschrieb mir neben einer Schüttelmixtinktur, Medikamenten (die ich nur in äußersten Notfall einnehmen sollte), Vitamin D-Tropfen und noch einen etwas eingeschränkten Ernährungsplan. Kein Zucker (egal welcher Art, auch kein Fruchtzucker), kein Brot, keine Erdäpfeln, keine Tomaten, keine Kuhmilchprodukte. So soll mein Immunsystem gestärkt werden, damit das Virus bekämpft werden kann. Für mindestens zwei Wochen.
Ich realisierte erst später, dass in diesen zwei Wochen mein Geburtstag sein würde. Ich musste lachen. Bedenkt man meine eingeschränkte Ernährung bedeutet es für mich an meinen 22. Geburstag: keine Torte, kein Kuchen, kein Alkohol, kein ausgelassenes Schlemmen. Zahlt es sich da aus gemeinsam mit der Familie essen zu gehen? Sind wir uns mal ehrlich, Zucker ist fast überall irgendwie drinnen. Ich schob den Gedanken von mir weg (wie ich es oft mit unangenehmen Gedanken mache) und sind wir uns mal ehrlich (schon wieder) so wichtig sind Geburtstage auch wieder nicht.
Zurück zu meiner hübschen Gürtelrose. Die Bläschen jucken (heute nicht mehr so schlimm) und manchmal überkommt mich ein brennender Schmerz, besonders wenn ich schlafen will. Ich färbe meine Stirn mit der weißen Tinktur ein und wenn ich auf die Uni muss, klebe ich die Stirn mit einem Pflaster zu. (Ansteckend wäre ich nur, wenn ich die Flüßigkeit der Bläschen verteilen würde, was ich nicht mache.) Ich denke es ist das geringere Übel. Da ich das Pflaster jedoch direkt beim Haaransatz platzieren muss, reiße ich mir beim Abziehen auch immer ein paar Haare mit aus. Aber es bleibt nicht bei ausgerissenen Haaren, Bläschen gefüllt mit Sekret und einer weißen Stirn. Meine Lymphdrüsen waren bis vor drei Tagen angeschwollen, dann wanderte die Schwellung durch mein Gesicht und fühlte sich auf meiner Stirn und der Augenbraunpartie sehr wohl. Ich fühlte mich kurzfristig wie der Glöckner von Notre Dame.
Doch heute ist schon Besserung in Sicht: die Schwellung ist weg, der Juckreiz hat nachgelassen. Was mich aber am meisten stört, ist, dass ich beim Essen auf so viel verzichten muss. Mein Frühstück besteht meist aus Knäckebrot (ist zwar auch Brot, aber bisschen brauche ich – Thug Life) und Hummus oder aus einem langweiligen Müsli (ohne Früchte, ohne Schocki) mit Sojamilch. Zum Mittag- oder Abendessen gibt es für mich Linsen, alle möglichen Salate, Reis/Couscous/Quinoa mit Gemüse. Ich werde nie wirklich satt, nach zwei Stunden bekomme ich wieder Hunger. Aber immerhin ist ein Ende in Sicht, und zwei Wochen sind im Vergleich zu einer lebenslangen Einschränkung, zu der einem Menschen aufgrund irgendwelcher Ursachen geraten wird, gar nicht so schlimm. Und dass mein Geburtstag reinfällt, ist schon irgendwie blöd. Doch da ich mir selbst nicht so viel aus meinem Geburtstag machen, ist es kein Problem den einfach mal nachzufeiern. Ich versuche die ganze Sache einfach mit Humor zu nehmen, denn wie heißt es so schön: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann mach‘ Limonade daraus. Obwohl … da ist wahrscheinlich auch Zucker drin.

Alles Liebe und passt schön auf Euer Immunsystem auf, denn in uns allen schlummert dieses Virus!
Katharina

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